Ratschläge für Frühcheneltern: 

 
Der Start auf der Intensivstation ist für alle Frühcheneltern ein sehr stresserfülltes Erlebnis. Das helle Licht rund um die Uhr, komplexe Apparate, eine unbekannte Medizinsprache, all diese Dinge lassen Eltern schnell hilflos wirken. Wie soll man das nur alles bewältigen – und das eigene Kind mittendrin…
 
Familie und Freundeskreis wissen oft nicht, wie sie auf die Nachricht der viel zu frühen Geburt reagieren sollen. Soll man gratulieren oder einfach nur betroffen sein?
 
Schuldgefühle, Angst, blankes Entsetzen und Wut, aber auch Trauer und Fassungslosigkeit über die eigene Unfähigkeit helfen zu können sind bei Frühcheneltern häufig vorkommende Gefühlszustände. Nichts in ihrem bisherigen Leben hat sie auf die Hilflosigkeit vorbereitet, die Frühcheneltern empfinden, wenn sie sehen, wie das zerbrechlich wirkende kleine Bündel Leben von den medizinischen und pflegerischen Experten versorgt wird.  
 
Sie können diese Unsicherheit etwas mildern indem Sie die Geburt ihres Kindes und den Namen so kommunizieren, wie Sie das nach 40 Wochen Schwangerschaft getan hätten.
Häufig finden Frühcheneltern nicht die Zeit oder haben nicht die Nerven, allen Freunden und Bekannten die sich nach dem Kind erkundigen die gegenwärtige Situation des Kindes zu schildern. Hier kann ggfls. ein e-mail Rundbrief von Zeit zu Zeit oder aber eine Mobiltelefon Mailbox mit einem Statusbericht eine gute Alternative sein. Oder aber Sie bennenen jemanden als Kontaktperson für Ihren Freundes- und Kollegenkreis.
 
Besprechen Sie mit den behandelnden Ärzten, wann sie diese am besten konsultieren können und in welchen Fällen Sie benachrichtigt werden möchten, sollten Sie nicht in der Klinik sein.
 
Bitten Sie im ersten oder zweiten Arztgespräch ausdrücklich darum, dass ausreichend Schmerzmittel gegeben werden falls medizinisch notwendige schmerzhafte Eingriffe wie z.B. In-, oder Extubation oder Augenunter-suchungen vorgenommen werden müssen. Für Blutabnahmen, Blutgasanalysen, Impfungen und sonstige Eingriffe mit Nadeln ist mittlerweile am Klinikum Karlsruhe und vielen anderen Kliniken die Gabe von Saccharose für das Kind vor dem Eingriff ein Standardvorgehen. Dennoch sollten Sie es immer mal wieder ansprechen.
 
 
Hier noch eine Liste mit Fragen für den behandelnden Arzt, die selbstverständlich nicht abschließend ist:
 
-       Was können wir als Eltern tun um den Genesungsprozeß zu unterstützen?
 
-       Gibt es gegebenenfalls Alternativen zu dieser Behandlung und wie ist ihre Position hierzu?
 
-       Hat diese Behandlung Nebenwirkungen? Wenn ja, welcher Art?
 
-       Wie werden diese Probleme in der Klinik behandelt?
 
-       Wie kann ich mehr Informationen über diese Probleme erhalten?
 
-           Welche medizinischen Probleme hat unser Kind jetzt gerade und können diese Probleme Spätfolgen nach  sich ziehen?
 
-       Gibt es psychologische Unterstützung für Frühcheneltern?
(im Klinikum Karlsruhe ist das der Fall, wenden Sie sich einfach an eine Pflegekraft, man nennt Ihnen direkt einen Ansprechpartner.)
 
 
Weitere nützliche Tipps:
 
PersonalisierenSie in Absprache mit dem Pflegepersonal den Inkubator / das Wärmebett Ihres Kindes mit Familenfotos, Kuscheltieren oder einer eigenen Kuscheldecke und besorgen Sie eine leise Spieluhr.
 
Notieren Sie sich die Telefonnummern der Intensiv- und Frühchenstation und hinterlegen Sie Ihre eigenen Notfalltelefonnummern auf diesen Stationen.
 
Informieren Sie das Pflegepersonal oder den behandelnden Arzt frühestmöglich über ihren eventuellen Stillwunsch und Ihre Absicht, das Kind so bald als möglich „kangarooen“ zu wollen. Kangarooen, also das „auf den Bauch eines Elternteiles Legen des Kindes“ kann häufig sogar auch bei beatmeten Kindern durchgeführt werden.
 
Versuchen Sie so oft wie möglich bei den Pflegerunden Ihres Kindes dabei zu sein und aktiv teilzuhaben. Auch wenn Ihr Baby extrem zerbrechlich wirken mag, Sie können lernen es zu baden, zu wickeln oder auch Hautpflege zu betreiben. Die Pflegekräfte werden Ihnen gerne zeigen, wie man das Kind am besten bewegt und lagert und was es besonders gerne hat.
 
Machen Sie regelmäßig Fotos ihres Kindes, am besten mit einem „Referenzgegenstand“ zum Größenvergleich – eine 1 Euro Münze leistet nach intensiver Desinfektion hier sehr gute Dienste.
Manche Kliniken lassen Sie einen Fußabdruck des Kindes mit einem  stationseigenen Stempelkissen anfertigen – Datum nicht vergessen!
 
Vergessen Sie nicht, sich selbst auch einmal eine Pause zum Durchatmen zu gönnen, letztendlich kommt das auch Ihrem Kind zu gute! 
 
Fahrten von und zur Klinik können als Sonderaufwendungen steuerlich geltend gemacht werden. Falls Sie mit dem Auto fahren, notieren Sie die Fahrten und die gefahrenen Kilometer, bei öffentlichen Verkehrsmitteln bitte die Fahrkarten aufbewahren und ggfls. mit den Steuerunterlagen einreichen.
 
Besuchen Sie zum Wohle Ihres Kindes und zu Ihrer eigenen Beruhigung einen Erste Hilfe Kurs für Säuglinge und Kinder, ein solcher wird u.a. bei Medual  oder dem DRK angeboten.
 
Für Frühcheneltern gibt es spezielle Eltern-Kind Kuren, eine seit 10 Jahren spezialisierte Einrichtung ist die Fachklinik Brommerhof (http://www.fachklinik-bromerhof.de/) in Argenbühl im Allgäu.
Am besten Sie nehmen mit der Einrichtung Kontakt auf, dort wird man Ihnen mitteilen, wie die Abstimmung mit ihrer Krankenkasse läuft. Das Mindestalter des Frühchens sollte 2 Jahre sein.